Freitagsgesellschaft

Freitagsgesellschaft

Im Jahre 1985 gründete der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt die Freitagsgesellschaft. Sie bestand aus 25 Mitgliedern, die sich im Winterhalbjahr an sechs Abenden trafen. Nach dem Essen im Hause Schmidts hielt jemand ein Referat, über das man nachher diskutierte. Zu den Mitgliedern gehörte auch der bekannte Schriftsteller Siegfried Lenz.

Neue Freitagsgesellschaft

Eine solche Freitagsgesellschaft haben ein Historiker und ein Volkswirtschafter, die vor Kurzem den Studiengang “Philosophie + Management” an der Universität Luzern abgeschlossen hatten, gegründet. Es geht – wie bei Helmut Schmidt – darum, sich mit interessierten Menschen intensiv über Themen auszutauschen, ihnen auf die Grund zu gehen. Gestern fand das zweite Treffen statt. Der Gastgeber, ein promovierter Theologe und Philosoph im Ruhestand, schöpfte aus seinem reichen Fundus und trug uns seine Gedanken zum Thema “Freundschaft” vor.

Schillers Ballade “Die Bürgschaft”

Zuerst zitierte er die ersten und die letzten zwei Strophen aus Schillers Ballade “Die Bürgschaft”, in dem der eine Freund dem anderen Bürge ist und der König von dieser Freundschaft so angetan ist, dass er darum bittet, in den Freundschaftsbund aufgenommen zu werden. In letzter Konsequenz geht es bei Schillers Ballade um die höchste Form der Freundschaft. Der Freund bürgt mit seinem Leben für die rechtzeitige Rückkehr des Freundes. Die letzte Strophe lautet:

Und blicket sie lange verwundert an.
Drauf spricht er: »Es ist euch gelungen,
Ihr habt das Herz mir bezwungen;
Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn –
So nehmet auch mich zum Genossen an:
Ich sei, gewährt mir die Bitte,
In eurem Bunde der dritte!«

Was ist Freundschaft?

Wie wir schnell feststellen konnten, ist es schwierig, Freundschaft zu definieren. Epikur formuliert es so: „Von allen Geschenken, die uns das Schicksal gewährt, gibt es kein grösseres Gut als die Freundschaft, keinen grösseren Reichtum, keine grössere Freude.“ Diese Hochstilisierung der Freundschaft finden wir vom Altertum über die Renaissance bis zur Klassik und Romantik. So hören wir im Schlusschor von Beethovens 9. Sinfonie: „Wem der grosse Wurf gelungen, eines Freundes Freund zu sein, wer ein holdes‚ Weib errungen, stimme in den Jubel ein.“ Die freundschaftliche Beziehung ist also das Ideal einer schönen, bejahenswerten Beziehung. Aber sind die Voraussetzungen immer gegeben, wenn man jemanden einen Freund nennt? Was ist gemeint, wenn jemand als „lieber Freund“ angesprochen wird? Handelt es sich in all diesen Fällen wirklich um einen Freund, oder ist das nur so dahingesagt?

Wer philosophiert, kommt selten an Aristoteles vorbei – so auch wir nicht. Er unterscheidet drei Arten von Freundschaft:

  1. die Nutzenfreundschaft (Geschäftsfreunde), der Nutzen ist das Gemeinsame
  2. die Lustfreundschaft (es beschert ein Wohlgefühl, einen Genuss, mit der anderen Person Zeit zu verbringen)
  3. eine Freundschaft der Trefflichen (das Gute als anzustrebendes Ideal); mit diesen trefflichen Freunden teile ich einen Teil meines Lebens; es ergibt sich ein moralisches Wachstum. Durch Freunde kann ich zu einem besseren Menschen werden.

Rasch nahm die Diskussion Fahrt auf und dauerte bis tief in die Nacht. Ist Freundschaft eine Form der Liebe? Eine Liebe ohne Erotik? Was sind Voraussetzungen, damit sich Freundschaften bilden? Was hält eine Freundschaft zusammen? Was zeichnet eine gute Freundschaft aus? Gibt es eine Freundschaft mit Gott? Wo zeigt sich die Qualität der Freundschaft in den sozialen Medien?

“Alle Würden dieser Welt wiegen einen guten Freund nicht auf”, hat Voltaire gesagt. Wie recht er hat: Gute Freunde sind unbezahlbar. Der zweite Abend in der Freitagsgesellschaft war überaus bereichernd.


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