Iaido – die Kunst, das Schwert zu ziehen

Iaido – die Kunst, das Schwert zu ziehen

Mae, Kesa Giri, Morote Tsuki, Sanpou Giri und Ganmen Ate: So heissen die fünf Katas, die ich am 2. Oktober 2019 nacheinander für das Bestehen der Iaido-Prüfung zum 3. Kyu vorzeigen musste. Ich bin glücklich, dass ich’s geschafft habe, und danke meinen Senseis Röbi Senn und Martin König (zurzeit in Japan) für das exzellente Training, das ich im Iaido-Club KENSEN in Winterthur seit zwei Jahren geniessen darf. Aber auch meinen Clubkameraden Joachim, Othmar und Christoph bin ich zu Dank verpflichtet: Als erfahrene Iaidokas tragen sie mit ihrem Wissen und Können zu meinem Fortschritt bei.

Der Weg ist das Ziel – oder doch nicht?

Diesem vielzitierten Satz kann ich nur bedingt zustimmen. Als Projektleiter wäre es heikel, sich so seinem Vorgesetzten gegenüber zu äussern. Denn ein Projekt hat einen Anfang und ein Ende. Es will abgeschlossen werden. Das Ziel ist das Ziel! Anders im Iaido: Wer damit beginnt, wird nie angekommen. Ein Leben ist dafür zu kurz. Aber wozu auch ankommen? Würde man im Iaido ankommen, was täte man dann? Das Schwert in die Scheide stecken und mit Golfen beginnen?

Iaido ist Übung, unablässige Übung und Wiederholung, will man sich der Meisterschaft annähern. Es ist Arbeit an Körper und Geist. Gleichzeitig deckt das Training die eigene Unzulänglichkeit auf: Ist der Schnitt mit dem Schwert flattrig oder sticht man sich gar mit der Schwertspitze beim Einstecken des Schwerts, tritt dadurch die eigene Unzulänglichkeit zutage. Man ist vielleicht mit seinen Gedanken noch nicht bei der Sache, sondern mit etwas anderem beschäftigt, einem beruflichen oder privaten Problem. Iaido verlangt aber volle Konzentration, eine völlige Hingabe an die Formen.

Übung, Intuition und Bewegung

Paul Coelho schreibt in seinem wunderbaren Buch «Der Weg des Bogens»: «Der Bogenschütze wird erst lernen, wie wichtig der Bogen, die Haltung, die Sehne und das Ziel sind, nachdem er seine Gesten tausendmal wiederholt hat, ohne Angst, etwas falsch zu machen. Nur durch Übung können Intuition und Bewegung vervollkommnet werden. Bis der Augenblick kommt, an dem der Bogenschütze nicht mehr über das nachdenken muss, was er gerade tut.» Das Gleiche lässt sich für das Führen des Schwerts sagen.

Wenn der Iaidoka die Meisterschaft erreicht hat, zeigt sich eine Eleganz in seinen Bewegungen. Er hat alles Überflüssige abgelegt. In der Eleganz manifestiert sich Einfachheit und Konzentration. Je einfacher und sparsamer seine Bewegungen, desto schöner ist die Ausführung. Ich freue mich auf die Fortsetzung meines Wegs.

Rolf Bänziger
Rolf Bänziger

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