Allan Guggenbühl

Allan Guggenbühl

Seit Jahren und Jahrzehnten ist seine Meinung gefragt, wenn es um Konflikte in Schulen oder allgemein mit Jugendlichen geht: Prof. Dr. Allan Guggenbühl. Seit 1995 leitet er das von ihm gegründete Institut für Konfliktmanagement (IKM), lehrt an Hochschulen im In- und Ausland, unter anderem in Japan und China, und berät Lehrer, wenn sie mit schwierigen Klassen oder Schülern am Ende ihres Lateins sind.

Am Freitag, 25. Oktober 2019, war er Gastreferent an der schulinternen Fortbildung der HKV Handelsschule KV Schaffhausen. Seine klaren Stellungnahmen, seine Erkenntnisse, basierend auf jahrelangen Erfahrungen und Studien, beeindruckten und überzeugten mich. Gewiss: Nach dreissig Unterrichtsjahren war nicht alles neu. Aber es tut gut, auch zwischendurch in seinen Ansichten bestätigt zu werden. Aus vielen Aussagen führe ich fünf auf, die ich sinngemäss wiedergebe und über die man natürlich am besten diskutieren sollte; sie gelten nicht nur für den Unterricht, sondern generell für die Arbeit mit Jugendlichen:

  1. Jugendliche wollen die Lehrer emotional erleben. Jugendliche brauchen Erwachsene, die sich emotional zeigen. Was die Jugendlichen nicht ertragen, sind unsichtbare, kaum spürbare Lehrer, die nur noch als Coaches herumschleichen.
  2. Die Jugendlichen wollen jemanden, der die Erwachsenenwelt inszeniert, sie wollen einen Gegenspieler. Wenn man als Lehrer den Jugendlichen markieren will, verliert man in der Regel.
  3. Zuerst Struktur, dann Beziehung: Das gilt vor allem, wenn man eine neue Klasse übernimmt. Zuerst der Klasse sagen, was gilt, was einem wichtig ist, für welche Werte man einsteht. Am Anfang darf man ruhig etwas streng sein. Die Klasse soll am Anfang leicht über den Lehrer murren. Zwar ist die Beziehung das Wichtigste, aber vom Ablauf her nicht das Erste!
  4. Langsame Annäherung: Die Jugendlichen wollen einen Lehrer oder einen Berufsbildner entdecken. Eine Beziehung muss sich entwickeln. Fazit: Gib beim Kennenlernen oder in der Vorstellungsrunde nicht deine ganze Lebensgeschichte preis.
  5. Ordentliche und ausserordentliche Ereignisse: Rituale und gleiche Abläufe sind wichtig und werden von den Jugendlichen geschätzt. Abwechslung tut dennoch gut. Ausserordentliche Ereignisse sind Farbtupfer – im Unterricht oder auch im Leben einer Schule (gemeinsam etwas unternehmen). Die Gemeinschaft pflegen ist kein Luxus!

Und noch etwas: Beleidigte Lehrer sind etwas vom Schlimmsten für die Jugendlichen …

Allan Guggenbühl

 


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