Pilze

Pilze

Schon Ötzi, die Gletschermumie aus der späten Jungsteinzeit, trug Pilze auf sich: in der Gürteltasche einen Zunderschwamm, um Feuer zu entfachen, und zwei Birkenporlinge, die ihm vermutlich als Heilmittel dienten.

Mein Interesse für Pilze verdanke ich meinen Eltern. Am Wochenende waren wir oft im Wald. Schon als kleiner Junge faszinierten mich der Fliegenpilz mit seinen leuchtenden Farben und weissen “Tupfen”, der Knollenblätterpilz mit seinem tödlichen Gift und die “kleinen Regenschirme”, die Riesenschirmlinge. Ich wunderte mich über die eigenartige Form und den ekligen Geruch der Stinkmorchel, roch an den Champignons, die fein nach Anis duften, und erfreute mich an den Stäublingen, die sofort eine staubige Wolke ausstiessen, wenn ich darauftrat. Mit 28 legte ich die Prüfung zum Pilzkontrolleur ab und übe seither dieses Amt zusammen mit meiner Frau Ruth und vier weiteren Kollegen für die Stadt Schaffhausen aus.

Pilze sind faszinierende Gewächse

Ihr Formenreichtum überrascht und erfreut mich jedes Jahr aufs Neue. Es wäre ein hoffnungsloses Unterfangen, auf dieser Webseite den Versuch zu unternehmen, eine fundierte Einführung in die Pilzkunde zu geben. Ich beschränke mich auf die Kurzbeschreibung eines Pilzes, den man bereits von Januar bis März finden kann, den Österreichischen Prachtbecherling. Um gleich eines vorwegzunehmen: Er ist kein Speisepilz (aber man muss ja auch nicht alles essen). Wenn der Schnee schmilzt, leuchten diese Becherlinge an Abhängen von Schluchten in felsigen, feuchten und kalkhaltigen Wäldern; sie wachsen auf liegenden Ästen von Ahorn, Esche oder Weide. Ihre Fruchtkörper werden bis zu acht Zentimeter breit. Im Reiat in Schaffhausen nennt man diesen prächtig rot leuchtenden Pilz auch Glückshäfeli. Wunderschön, nicht wahr?

Österreichischer Prachtbecherling (Sarcoscypha austriaca)
Österreichischer Prachtbecherling (Sarcoscypha austriaca); Foto: Ruth Bänziger

Einstieg in die Pilzkunde

Einen guten Einstieg in die Pilzkunde (Mykologie) bietet das “Neujahrsblatt der Naturforschenden Gesellschaft Schaffhausen”, verfasst von vier Schaffhauser Pilzkontrolleuren: meiner Frau Ruth Bänziger, Ruth und Werner Uehlinger und Dieter Pfunder. Es ist leicht verständlich geschrieben und mit Humor gewürzt. Zudem enthält es Tipps für die Küche, Interessantes zu Pilznamen und -gerüchen sowie eine Pilzgalerie, in der rund 50 häufige Arten – einmal anders als in vielen Pilzbüchern – vorgestellt werden.

Neujahrsblatt der Naturforschenden Gesellschaft Schaffhausen - Grosspilze
Neujahrsblatt der Naturforschenden Gesellschaft Schaffhausen – Grosspilze